Fotos: Andreas Greiner-Napp

19. November 2019

PRESSEINFORMATION 

 

Kulturinstitutionen und Kulturschaffende unterzeichnen die „Braunschweiger Erklärung der Vielen“

 

Elf Kulturinstitutionen und Kulturschaffende aus Braunschweig und Umgebung haben am 19.11.2019

als Erstunterzeichnende die „Braunschweiger Erklärung der Vielen" unterschrieben.

 

Damit schließen sie sich der bundesweiten Initiative „Die Vielen“ an, die im Juni 2017 als Zusammenschluss von Künstler*innen und Kulturschaffenden gegründet wurde. Ziel der „Braunschweiger Erklärung der Vielen“ ist, sich mit Akteur*innen der Kulturlandschaft - Personen und Institutionen - zu solidarisieren, die von rechtspopulistischen Positionen attackiert oder in Frage gestellt werden. Mit der Erklärung geht auch die Selbstverpflichtung einher, mit

Diskussionen, Veranstaltungen und Aktionen aktiv für Demokratie und die Freiheit der Kunst einzutreten.

 

Die Erstunterzeichnenden laden weitere Künstler*innen und Kulturschaffende sowie Kulturinstitutionen der Region ein, sich der „Braunschweiger Erklärung der Vielen“ als Unterzeichnende anzuschließen.

 

In den kommenden Monaten werden im Sinne der Selbstverpflichtung in der Region Veranstaltungen und Aktionen geplant. Kontakt für Kulturinstitutionen, Künstler*innen und Kulturschaffende, welche die „Braunschweiger -

Erklärung der Vielen“ unterschreiben möchten: info@bbk-bs.de. Den Wortlaut der „Braunschweiger Erklärung der Vielen“ sowie die Auflistung der Erstunterzeichnenden finden Sie auf den folgenden Seiten.

 

Mit freundlichen Grüßen

i.A. Julia Taut

 

 

BRAUNSCHWEIGER ERKLÄRUNG DER VIELEN

 

Kunst schafft einen Raum zur Veränderung der Welt

 

Als Aktive der Kulturlandschaft in Deutschland stehen wir nicht über den Dingen, sondern auf einem

Boden, von dem aus die größten Staatsverbrechen der Menschheitsgeschichte begangen wurden. In

diesem Land wurde schon einmal Kunst als entartet diffamiert und Kultur flächendeckend zu

Propagandazwecken missbraucht. Millionen Menschen wurden ermordet oder gingen ins Exil, unter

ihnen auch viele Künstler*innen.

 

Heute begreifen wir die Kunst und ihre Einrichtungen, die Museen, Theater, Ateliers, Clubs und

urbanen Orte als offene Räume, die vielen gehören.

 

Unsere Gesellschaft ist eine plurale Versammlung. Viele unterschiedliche Interessen treffen

aufeinander und finden sich oft im Dazwischen. Demokratie muss täglich neu verhandelt werden –

aber immer unter einer Voraussetzung: Es geht um Alle, um jede*n Einzelne*n als Wesen der vielen

Möglichkeiten!

 

Der rechte Populismus, der die Kultureinrichtungen als Akteure dieser gesellschaftlichen Vision

angreift, steht der Kunst der vielen feindselig gegenüber. Rechte Gruppierungen und Parteien stören

Veranstaltungen, wollen in Spielpläne eingreifen, polemisieren gegen die Freiheit der Kunst und

arbeiten an einer Renationalisierung der Kultur.

 

Ihr verächtlicher Umgang mit Menschen auf der Flucht, mit engagierten Künstler*innen, mit allen

Andersdenkenden verrät, wie sie mit der Gesellschaft umzugehen gedenken, sobald sich die

Machtverhältnisse zu ihren Gunsten verändern würden.

 

Wir als Unterzeichnende der Braunschweiger Kunst-, Theater-, Club- und Kultureinrichtungen sowie

ihrer Interessenverbände begegnen diesen Versuchen mit einer klaren Haltung:

 

  • Die unterzeichnenden Kunst- und Kulturinstitutionen führen den offenen, aufklärenden, kritischen Dialog über rechte Strategien. Sie gestalten diesen Dialog mit Mitwirkenden und dem Publikum in der Überzeugung, dass die beteiligten Häuser den Auftrag haben, unsere Gesellschaft als eine demokratische fortzuentwickeln.

  • Alle Unterzeichnenden bieten kein Podium für völkisch-nationalistische Propaganda.

  • Wir wehren die illegitimen Versuche der Rechtsnationalen ab, Kulturveranstaltungen für ihre Zwecke zu instrumentalisieren.

  • Wir verbinden uns solidarisch mit Menschen, die durch eine rechtsextreme Politik immer weiter an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden.

Solidarität statt Privilegien. Es geht um Alle. Die Kunst bleibt frei!

Selbstverpflichtung


Als Erstunterzeichner*innen sind ausschließlich Kultureinrichtungen, Kunstinstitutionen, Theater,

Clubs, Museen und ihre Interessenvertretungen oder Verbände angefragt.

  1. Mit der Unterzeichnung erklären sich die Leitungspersonen oder das Leitungsteam bereit, den Text der Erklärung innerhalb der eigenen Organisation unter Mitarbeiter*innen, Ensemblemitgliedern, Kurator*innen, Publikum und Besucher*innen bekannt zu machen und zur Diskussion zu stellen.

  2. Die Erklärung wird auf der Internetseite, im Programmheft, als Aushang im Foyer uvm. veröffentlicht.

  3. Die unterzeichnenden Kultureinrichtungen werden auf der Homepage www.dievielen.de sichtbar gemacht. Eine Verlinkung ist gewünscht.

  4. Die golden–glitzernde Rettungsdecke, das Symbol der Vielen, soll je nach Corporate Design der Einrichtung Anwendung im Zusammenhang mit der Erklärung finden – ob als Fahne, Layout-Hintergrund, als Icon oder golden-glänzend hinterlegte Schrift (Tool-Kit wird bereitgestellt).

  5. Die Unterzeichnenden bereiten Informationsveranstaltungen, Gespräche und Aktivitäten im Sinne der vier Handlungsebenen der Erklärung vor, die Termine werden gemeinsam über www.dievielen.de kommuniziert.

  6. Im Rahmen der eigenen Pressearbeit und einer zentralen Pressekonferenz werden die Erklärung und die Kampagne mit Stichtag zum 19. November 2019 veröffentlicht. Aktionen zum Kampagnenstart wie das Hissen der goldenen Rettungsdecken an den Kulturorten, erste Informationsveranstaltungen, Lesungen uvm. werden selbstständig realisiert und gemeinsam koordiniert.

  7. Die Kampagne zur Erklärung der Vielen hat einen regionalen Charakter und wird über regionale Zusammenschlüsse von Kultureinrichtungen als „Hamburger, Kölner, Dresdener uvm. Erklärung der Vielen“ bundesweit verbreitet.

  8. Neben den unterzeichnenden Kultureinrichtungen können ab dem Tag der Erstveröffentlichung in Braunschweig zum 19. November 2019 auch Einzelpersonen und Künstler*innengruppen ihre Zus􀆟mmung als Unterstützende per Mail an info@bbk-bs.de erklären.

  9. Die unterzeichnenden Einrichtungen beteiligen sich aktiv an einer bundesweiten Kampagne mit Aktionstagen, Dialogforen und der Mobilisierung zu Demonstrationen der Kunst und Kultur.

  10. Die Unterzeichnenden verpflichten sich zu gegenseitiger Solidarität mit Kultureinrichtungen und Akteur*innen der Künste, die durch Hetze und Schmähungen unter Druck gesetzt werden.

 

 

SOLIDARITÄT STATT PRIVILEGIEN. ES GEHT UM ALLE. DIE KUNST BLEIBT FREI!

Braunschweiger Erklärung der Vielen | Kontakt über: Julia Taut - info@bbk-bs.de

 

Download
Die_Vielen_BS.pdf
Adobe Acrobat Dokument 816.3 KB